Wie man Kinder dazu bringt, Vitamine zu essen

Nur Nudeln. Ohne Sauce. Fast alle Kinder haben so eine Phase. So bekommen Sie trotzdem auch Obst und Gemüse in Ihre Kinder hinein

Wie man Kinder dazu bringt, Vitamine zu essen

© iStock/MementoImage

Eltern kennen den täglichen Kampf. „Iss doch auch mal was von den Möhren, nicht nur die Nudeln!“. Je mehr man diskutiert, desto weniger Obst und Gemüse landet letztlich im Bauch des Kindes. Als Mutter von drei Kindern bin ich bei dem Thema inzwischen gelassener und weiß, wie ich den Kindern Vitamine unterjubeln kann, ohne dass sie es merken.

Das war aber nicht immer so. Vor vielen Jahren ging mein Mann mit unserem Ältesten in seiner Nur-Nudeln-Phase zusammen zum Markt. Der kleine Luis* durfte alle frischen Zutaten selbst aussuchen, mein Mann kochte gefühlt stundenlang mit dem auf einem Stuhl vor dem Herd stehenden Kind. Alle waren gut gelaunt und wir Eltern voller Hoffnung. Doch als wir alle am Mittagstisch saßen, war es vorbei. Geheule, Geschimpfe, das Kind aß nichts. Keinen einzigen Bissen.

Es ist nur eine Phase, sie ist lang, aber sie geht vorbei

Die gute Nachricht ist: Es ist ganz normal, dass sich Kinder in dem Alter beim Essen anstellen. Die schlechte Nachricht ist: Die Phase dauert ganz schön lang. Mit etwa 18 Monaten fangen die Kleinen meistens an mit ihrer Neophobie beim Essen, der Angst vor Neuem. Sie werden skeptisch, das Essen könnte schließlich giftig sein. Wenn sie sehen, dass Mama, Papa, Bruder und Schwester ein Nahrungsmittel ebenfalls probieren, trauen sie sich irgendwann auch. Und je öfter sie ein bestimmtes Nahrungsmittel essen, desto mehr vertrauen sie ihm. So richtig vorbei ist die Phase bei unserem Ältesten erst jetzt in der 5. Klasse. Aber mit ungefähr 8 Jahren wurde es langsam besser.

Vor ein paar Tagen stellte Luis fest: „Mama, du bist in unserer Familie für die gesunde Ernährung zuständig!“ Mein Mann guckte zurecht etwas betrübt, denn er kocht viel häufiger als ich. Aber dann konnte ich erklären, wie Luis darauf kam. Er ist jetzt alt genug, meine Tricks zu durchschauen, spielt sie aber trotzdem noch mit: Futterneid, Gemüseklau und Obstgesichter.

Futterneid unter Geschwistern

Der inzwischen 4-jährige Robin* ist nun voll in der Nudelphase angekommen. Täglich diskutiert er uns an die Wand und versichert mir eloquent beim Abendessen: „Ich kann das leider nicht essen, das schmeckt nicht, das ist eklig!“ Sein kleiner Bruder Lenni* hingegen ist keine 2 Jahre alt und dementsprechend gerade noch in der Allesfresserphase. Sieht er etwas zu Essen, fängt er an zu strahlen. Das ist enorm hilfreich für die Eltern, denn jetzt kommt der Futterneid ins Spiel. Die Geschwister wollen grundsätzlich das haben, was der Bruder auch hat. Das Spielzeugauto, den Dinopullover – und den Apfel in der Hand. Futterneid kann also eine prima Sache sein, ist aber meine schwächste Waffe im Kampf um die Vitamine.

Gemüseklau: Verbotene Sachen sind interessant

Besser funktioniert es bei uns an Donnerstagen. Donnertags kommt nämlich unsere Gemüsekiste, und zum Abendessen gibt es einen leckeren Salat. Donnerstags kommt allerdings auch Oma. Und Oma ist in den Köpfen der Kinder fest assoziiert mit Schokolade. Ich kann also eigentlich einpacken. (Ich empfehle allen Eltern zu diesem Thema das Lied „Schokolade“ der Band „Deine Freunde“.) Was ist also mein Trick?

Ich stelle mich in die Küche und fange an, Gemüse zu schnippeln. Möglichst laut sage ich „Kinder kann ich in der Küche gerade nicht gebrauchen!“ und gucke dabei betont genervt, was mir bei dem Geräuschpegel zugegeben nicht allzu schwer fällt. Lenni versteht sofort, dass da etwas verboten ist. Und was verboten ist, ist interessant. Sofort kommt er angerannt und verlangt nach einem Stück Gurke („Gohke!“) oder Kohlrabi („Kraki!“). Robin erträgt es nicht, dass Lenni etwas hat, was er nicht hat, und möchte auch etwas essen. Irgendwann fühlt sich der große Bruder Luis benachteiligt und will wissen, was er da verpasst. Ein reges Kommen und Gehen beginnt. Wie kleine Tierchen auf Futtersuche laufen die Drei immer wieder in die Küche und zurück. Ich grinse in mich hinein. Das meiste Gemüse schafft es nicht in den Salat, den ich am Ende meist allein esse, sondern wird vorher von den Kindern geklaut.

Obstgesichter: Der Apfel sagt „Aua!“

Meine Kindersalatkarriere begann vor ein paar Jahren mit Luis und dem Süßigkeitensalat. Eigentlich hat er mit Süßigkeiten nichts zu tun. Ich habe ihn nur so genannt und ein paar Weintrauben, Apfelstückchen und Käsewürfel und manchmal Walnüsse ergänzt, damit Luis ihn isst. Das hat tatsächlich öfter funktioniert. Allerdings gibt es andere Kinder in meiner Familie, die hysterisch anfangen zu weinen, wenn ein Nahrungsmittel ein anderes berührt oder die Sauce das Gemüse quasi kontaminiert. Zutaten sollten für manche Kinder also streng voneinander getrennt werden, sonst hat man verloren.

Bessere Erfahrungen als mit Salat habe ich mit Obstgesichtern und Gemüseblumen gemacht. Eigentlich handelt es sich dabei um Rohkostteller, aber die sollten Sie auf gar keinen Fall so nennen. Bei uns heißen sie „Schnabulierteller“. Ich lege aus Gemüse und Obst Landschaften, Blumenmuster, Gesichter. Das kommt erstaunlicherweise immer noch sehr gut an. Das Auge isst eben auch bei Kindern mit. In Luis‘ schlimmster Nudelphase hat das Obstgesicht „Aua!“ gerufen, wenn seine Nase aufgegessen wurde. Darüber hat sich unser Ältester so gefreut, dass er auch noch Mund und Augenbraue freiwillig verspies. Man braucht allerdings Durchhaltevermögen, denn irgendwann wird es ziemlich anstrengend, „Aua, mein Auge!“, „Hilfe!“, und „Hey, was soll das?“ zu rufen, wenn man eigentlich gerade selbst etwas essen möchte.

Das einzige, was ich wirklich gar nicht in meine Kinder hineinbekomme, ist Wintergemüse wie Grünkohl, Feldsalat oder Rotkohl. Da freue ich mich über Tipps anderer Eltern!

*Namen geändert

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