Wechseljahre: Ein neuer Lebensabschnitt

Falten im Gesicht, weiße Strähnen im Haar – viele Anzeichen fürs Älterwerden lassen sich schon von außen erkennen. Doch auch im Inneren des Körpers spielt sich während der Wechseljahre eine Menge ab.

Wechseljahre: Ein neuer Lebensabschnitt

Die Wechseljahre sind für jede Frau eine individuelle Erfahrung. Für fast jede ist es allerdings eine Phase des Umbruchs und der Veränderung. Um ihr 50. Lebensjahr herum erleben viele Frauen ihre Regelblutung zum letzten Mal und treten in die sogenannten Wechseljahre ein.

Der Hormonspiegel verändert sich

Seit ihrer Geburt trägt jede Frau einen Vorrat an Eizellen in ihrem Körper. Zwischen ihrem neunten und 15. Lebensjahr bekommt sie ihre erste Menstruation. Jeden Monat reift nun ein Eibläschen heran, um befruchtet zu werden, und geht, falls keine Schwangerschaft eingetreten ist, zusammen mit einer großen Anzahl weiterer Eizellen zugrunde. Etwa 400 bis 500 Mal durchlebt eine Frau diesen Zyklus in ihrem Leben, bis irgendwann ihr Vorrat an Eizellen ausgeschöpft ist. Wenn der Eizellenvorrat schwindet, wird auch die Produktion der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron gestoppt. Während der Körper sich darauf einstellt, ohne diese Hormone zu funktionieren, ist die Frau in den sogenannten Wechseljahren. Ihre letzte Monatsblutung wird Menopause genannt.

Veränderungen für Seele und Körper

An kaum einer Frau geht diese Umbruchphase spurlos vorbei – weder innerlich noch äußerlich. Manche spüren während dieser Zeit vielleicht nur, dass ihre Haut sich trockener anfühlt. Etwa jede zweite bis dritte Frau leidet jedoch unter starken Beschwerden, die ihr Leben deutlich beeinflussen: Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Scheidentrockenheit gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen der Wechseljahre. Birgit-Christiane Zyriax ist Ernährungswissenschaftlerin und Mitglied im Vorstand der Deutschen Menopause Gesellschaft. Sie appelliert an Frauen, gerade auch in der Phase der Wechseljahre auf einen gesunden Lebensstil zu achten: Sie sollten ausreichend
Calcium zu sich nehmen, etwa über Milchprodukte, Brokkoli und calciumreiches Mineralwasser, nicht zu viel Fleisch essen, dafür umso mehr Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Kost. Tabak und Alkohol sollten sie weitestgehend meiden. Die persönliche Lebensweise könne Auswirkungen auf die Beschwerden während der Wechseljahre haben, so Zyriax. „Eine vernünftige Ernährung mit viel Obst und Gemüse sorgt für eine ausreichende Zufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen bei wenigen Kalorien. Manche Frauen fühlen sich auch besser, wenn sie in der Zeit der Wechseljahre auf Kaffee und Alkohol verzichten oder vielleicht auf Sojamilch umstellen.“ Wer unter Hitzewallungen leidet, sollte alkoholische Getränke ohnehin meiden, scharfe Gewürze und heiße Getränke können Schweißausbrüche zusätzlich anfeuern. Nicht selten leiden auch Angehörige mit den Frauen mit. Starke Stimmungsschwankungen und Folgen von Schlafmangel zehren bei allen gleichermaßen an den Nerven.

Wechseljahre als Neuanfang

In der Praxis der Hamburger Gynäkologin Katrin Schaudig sitzen immer wieder verzweifelte Patientinnen, deren Innenleben in Aufruhr ist. „Die Frauen sind während ihrer Wechseljahre dünnhäutiger und können nicht mehr adäquat auf Belastungen reagieren“, berichtet Schaudig. Eine Patientin habe ihr erzählt, sie sei in der Bäckerei in Tränen ausgebrochen, weil es das Brot, das sie kaufen wollte, nicht mehr gab. „Manche Frauen haben sich darauf gefreut, dass sie durch das Flüggewerden der Kinder mehr Freiräume haben, wollen sich umorientieren, vielleicht etwas Neues starten – und dann fehlt ihnen plötzlich die Kraft und der Schwung dafür.“ Gegen depressive Verstimmungen empfiehlt die Gynäkologin vor allem Bewegung. Yoga helfe manchen Frauen, sich zu entspannen, aber auch andere Sportarten seien sinnvoll, um sich nicht nur fit zu halten, sondern auch innerlich zur Ruhe zu kommen.
Genauso könne Hypnose oder eine Verhaltenstherapie manchen Patientinnen während der Wechseljahre Erleichterung verschaffen. „Auch Pflanzenheilmittel können hilfreich sein, beispielsweise Präparate aus der Traubensilberkerze.“

Hormonbehandlung: Ja oder Nein?

Bei starkem Leidensdruck entscheiden sich einige Betroffene auch für eine Hormonbehandlung, bei der dem weiblichen Körper das fehlende Hormon Östrogen wieder zugeführt wird – in Tablettenform oder über die Haut als Gel, Pflaster oder Spray. „Die klassische Hormonbehandlung hilft in den meisten Fällen sehr gut“, so Schaudig, „aber sie geht bei langfristiger Anwendung mit einem etwas erhöhten Brustkrebsrisiko einher. Daher sollte man vor und während der Therapie die Brust regelmäßig untersuchen lassen.“ Oft empfiehlt die Gynäkologin ihren Patientinnen, die Wechseljahre als vorübergehende Phase anzunehmen, während der sie Anforderungen an sich selbst herunterschrauben. Immerhin betritt die Frau während ihrer Wechseljahre einen neuen Lebensabschnitt. Da ist es nur folgerichtig, wenn sie auch einmal innehält, in ihren Körper hinein hört und darauf achtet, wie sie sich mit dem Älterwerden nicht nur äußerlich verändert.

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