Wie gefährlich ist Schimmel wirklich?

Wie kann man vorsorgen, was kann man gegen Schimmel tun – und ab wann sollte ein Experte dazugeholt werden? Ein kurzer Überblick

Wie gefährlich ist Schimmel wirklich?

© iStock/habari1

Bei Schimmel auf Lebensmitteln ist die Sache einfach: Verschimmeltes wandert in die Bio-Tonne oder auf den Kompost. Denn hier zeigt der Pilzbefall: Das ist nicht mehr genießbar, iss das bloß nicht! Die verschimmelten Stellen einfach abschneiden reicht meist nicht, da der größte Teil der Pilze, das Myzel, sich für uns nicht sichtbar ausbreitet. Besonders schnell geht das bei wasserhaltigen Lebensmitteln.

Die einzigen möglichen Ausnahmen sind Hartkäse und luftgetrocknete Würste wie Salami. Wenn der Schimmel hier nur an einer kleinen Stelle der Oberfläche zu sehen ist, kann man ein großzügiges Stück wegschneiden und den Rest genießen. Im Zweifel sollte die eigene Gesundheit aber dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen. Denn es gibt über 200 Pilzarten, von denen viele Gifte – sogenannte Mykotoxine – produzieren. Diese können krebserregend sein oder Leber und Nieren dauerhaft schädigen.

Ob der Pilz auf dem Brot aber besonders giftig ist oder nicht, kann man ohne Laboranalyse nicht sagen. Ebenso verhält es sich mit dem Schimmel an Wänden. Der gesunde Menschenverstand verrät einem auch hier: Das muss weg. Nur kann man eine Wand nicht immer einfach wegschmeißen. Und selbst wenn: Das entfernt meist nur das Symptom, löst aber nicht das Problem.

Denn Schimmel in Wohnräumen kann drei Ursachen haben. Die ersten sind baulicher Natur. Das können beispielsweise sogenannte Wärmebrücken sein. Das sind Stellen im Gemäuer, durch die Wärme schneller nach außen transportiert wird als anderswo. Ebenso können Baufeuchte oder dicht schließende Fenster Schimmelbildung begünstigen.

Kritischer ist aber meist ein anderer Punkt: nutzungsbedingte Ursachen. Durch falsches Heizen oder Lüften oder Möbel an ungedämmten Außenwänden breitet sich der Schimmel meist erst richtig aus. Wie man das verhindern kann, steht weiter unten. Ebenso können aber auch Havarien wie ein Wasserrohrbruch, Hochwasser oder ein Abwasser-Rückstau zu einem Befall führen.

Wie gefährlich ist Schimmel?

Schimmel sind genauer gesagt Schimmelpilze. Die brauchen vor allem Feuchtigkeit, um zu wachsen. Dann bilden sie ein mikroskopisches Geflecht auf den befallenen Oberflächen und in den Stoffen, das bereits erwähnte Myzel. Um sich fortzupflanzen geben die Pilze Sporen ab. Diese atmen wir Menschen ein, massenweise täglich.

Das klingt erst einmal schlimmer als es ist. Denn eine gewisse Konzentration an Schimmelpilzsporen ist in der Luft völlig normal. In Wäldern mit ihrer guten, gesunden Luft ist sie übrigens besonders hoch. Dennoch ist Vorsicht geboten, bei andauernden Beschwerden sollte sowieso ein Arzt aufgesucht werden.

Besonders aufpassen müssen Allergiker, Asthmatiker und Menschen mit einem unterdrückten Immunsystem (zum Beispiel durch eine Chemotherapie oder HIV-Erkrankung). Diverse Untersuchungen konnten bereits einen Zusammenhang zwischen Schimmel und Atemwegserkrankungen zeigen.

Zudem kann man eine Allergie gegen bestimmte Pilzarten entwickeln. Unklar ist aber, ab welcher Konzentration Schimmelsporen gesundheitsschädlich werden. Aber gerade deswegen gilt: Schimmel ist grundsätzlich ein Hygieneproblem und sollte entfernt werden – auch wenn die meisten Menschen einen Befall nicht durch Gesundheitsbeschwerden, sondern durch die typischen Flecken oder einen muffigen Geruch bemerken.

Im Zweifel den Fachmann rufen – und vorbeugen

Wer Schimmel entdeckt, sollte sich eine Streichholzschachtel und Zollstock holen. Befall von der Größe einer Streichholzschachtel ist unbedenklich. Den Schimmel einfach entfernen, die Stelle aber weiter beobachten.

Ist die betroffene Fläche kleiner als einen halben Quadratmeter, also etwa 70 mal 70 Zentimeter, lässt sich auch noch selbst entfernen. Allerdings nur, wenn die Ursache bekannt und – wichtig – behoben ist. Alles, was über den halben Quadratmeter hinausgeht, sollte in jedem Fall von einem Fachmann besichtigt und entfernt werden.

Damit es dazu nicht kommt, kann man selbst aber schon einiges tun. Zum einen regelmäßig gut lüften, sodass die Luft komplett ausgetauscht wird. Besonders Bade- und Schlafzimmer sowie Küchen sind anfällig für Schimmel, da hier viel Feuchtigkeit an die Luft abgegeben wird.

Besonders im Winter aber auch an anderen kalten Tagen gilt zudem, gleichmäßig zu heizen. Außenwände sollten gut gedämmt sein, bei dichtschließenden Fenstern sollte öfter gelüftet werden. Die Raumtemperatur sollte zwischen 16 und 25 Grad liegen, die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Beides lässt sich gut mit Kombinationsgeräten aus Thermo- und Hygrometern messen. Die gibt es bereits ab 10 Euro im Handel.

Grundsätzlich gilt: Schimmel ist unschön und sollte in jedem Fall entfernt werden. Vorsorge ist auch besser als alles andere. Im Fall der Fälle muss aber niemand Panik haben, es sei denn, man gehört zu einer der angesprochenen Risikogruppen. Denn obwohl die Gesundheitsgefahr von Schimmel noch nicht abschließend erforscht ist, sind es dessen Ursachen und Maßnahmen dagegen.

Das Umweltbundesamt hat in einer ausführlichen Broschüre alle wichtigen Infos rund um das Thema zusammengestellt. Auf einer zugehörigen Website finden sich auch weitergehende Tipps, zum Beispiel wie man einen fachkundigen Sachverständigen erkennt.


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