Zehen zeigen: Die wichtigsten Fragen zur Fußgesundheit

Unseren Füßen schenken wir oft erst dann Aufmerksamkeit, wenn sie Probleme machen. Dabei könnten wir manchmal sogar eine Operation vermeiden

Zehen zeigen: Die wichtigsten Fragen zur Fußgesundheit

© shutterstock

Solange Winter ist, kann man sie einpacken und versuchen, mögliche Schmerzen zu ignorieren. Aber spätestens jetzt, da wir unsere Füße in Badelatschen stecken oder mit den Zehen im Sand wühlen möchten, kommen Fußprobleme ans Licht. Die wichtigsten Fragen zur Fußgesundheit:

Mein Hallux valgus ist immer stärker geworden. Stimmt es, dass man eine Operation mit Gymnastik verhindern kann?

Ein schief stehender großer Zeh, dessen Ballen am Innenrand des Fußes hervortritt, ist immer ein Zeichen dafür, dass die Statik im Körper nicht stimmt und der Fuß falsch belastet wird. Dadurch verändern sich Quer- und Längsgewölbe. Physiotherapie und spezielle Fußübungen können dem entgegenwirken. Normalerweise bewegt sich ein gesunder Fuß dreidimensional: Der Vorfuß dreht nach innen, der Rückfuß nach außen, und das Gewölbe schiebt sich zusammen und hebt sich. Eine spiralige, S-förmige Bewegung, wie ein Handtuch, das mit beiden Händen ausgewrungen wird. Durch gezieltes Training, zum Beispiel nach der Methode der Spiraldynamik, sollen die Füße zu ihrer ursprünglichen Beweglichkeit zurückfinden (mehr im Buch „Gut zu Fuß ein Leben lang“ von C. Larsen, um 20 Euro, Trias). So lassen sich oft auch Beschwerden bei einem Hallux valgus lindern. „Um etwas zu erreichen, muss man allerdings mindestens ein halbes Jahr regelmäßig üben“, sagt Dr. Ulrich Betz, Leiter des Instituts für Physikalische Therapie, Prävention und Rehabilitation an der Universitätsmedizin Mainz und Gründer der „Mainzer Fußschule“, eines Workshops für Fußpatienten. Die Chancen stünden jedoch nicht schlecht, damit eine Operation zu umgehen.

Ich habe einen Nagelpilz am Zehennagel. Kann ich den mit meiner Fußpilzsalbe behandeln?

Nein, das bringt nichts. Denn aus einer normalen Fußpilzcreme gelangt nicht genug Wirkstoff in den Nagel hinein. Damit das gelingt, braucht es entweder die Kombination mit einem Mittel, das den Nagel aufweicht (etwa hochkonzentrierter Harnstoff). Oder Substanzen wie Ciclopirox und Amorolfin in einer Lackzubereitung. Der Vorteil von wasserlöslichem Lack ist vor allem, dass man die Nägel nicht dünner feilen muss, um die nötigen hohen Wirkstoffkonzentrationen zu ermöglichen. Wichtig: „Es muss unbedingt so lange behandelt werden, bis alle Symptome ausgeheilt sind und der betroffene Nagel komplett herausgewachsen ist“, so Dr. Yael Adler, Dermatologin aus Berlin und Beststellerautorin („Haut nah. Alles über unser größtes Organ“, um 17 Euro, Droemer HC). Auch wenn das Monate dauert. Bei unzureichender Behandlung besteht die Gefahr, dass durch kleine Risse in der Haut Bakterien in den Körper eindringen; das kann zu Entzündungen und sogar zu einer Blutvergiftung führen. Spätestens wenn mehr als zwei Drittel eines Nagels oder mehrere Nägel befallen sind, sollte man zum Arzt gehen, denn dann ist evtl. auch ein Antimykotikum (Anti-Pilz-Mittel) als Tablette nötig. Was Sie außerdem tun können: Verzichten Sie auf enge, schwitzige Schuhe, waschen Sie Ihre Strümpfe möglichst bei über 60 Grad (bei 40 Grad haben es Pilzsporen sehr gut). Lassen Sie überprüfen, ob Sie Krampfadern haben; sie beeinträchtigen den Stoffwechsel im Fuß und begünstigen so Pilzinfektionen. Und stärken Sie Ihr Immunsystem.

Ich habe auf der Fußsohle zwei Warzen. Muss ich sie behandeln?

Warzen werden fast immer durch Viren, genauer gesagt durch humane Papillomaviren (HPV), verursacht. Sie sind also ansteckend – deshalb ist es richtig, sie zu behandeln, selbst wenn sie so sitzen, dass sie nicht wehtun. Da es auch andere Hautveränderungen gibt (und über 100 verschiedene Arten dieser Erreger), lassen Sie am besten einen Arzt einen Blick darauf werfen. Zur Therapie wird in der Praxis flüssiger Stickstoff auf die Warze getupft. Durch dieses „Vereisen“ (Kryotherapie) stirbt die Wucherung ab. Auch durch Erhitzen mit einem Farbstofflaser sterben die Viren, und die Warze fällt ab. Sie können sie aber auch mit speziellen Pflastern oder Tinkturen selbst behandeln. „Dabei sollten Sie beachten, dass ein Saum gesunder Haut um die Warze herum ebenfalls mit dem säurehaltigen Mittel benetzt wird, damit Sie die Warze mit einem Schaber nach und nach herauslösen können“, empfiehlt Dermatologin Yael Adler. Das führt manchmal zwar zu Reizungen der Hautumgebung, diese bilden sich aber meist schnell zurück. Doch gerade um die Warze herum kann es manchmal infektiöse Zellen geben, die für das bloße Auge nicht sichtbar sind. Erwischt man sie nicht, kann es zu einem Rückfall, also zu neuen Warzen kommen.

Fußmassage soll ja toll sein, aber ich bin sehr empfindlich. Lohnt sich die Überwindung?

Vermutlich ja. Denn unter den Fußsohlen sitzen viele Nervenrezeptoren; werden sie durch eine Massage stimuliert, kann das positive Auswirkungen auf den ganzen Körper haben. Genau wie die Massage der sogenannten Plantarfaszie. Das Gewebeband aus Kollagenfasern verläuft zwischen Ferse und Zehengrundgelenken und gehört zum Bindegewebsnetz in unserem Körper, steht also auch mit allen Organen und Muskeln in Verbindung. Außerdem können unsere Füße Stöße beim Laufen besser abfedern und Fehlbelastungen vermeiden, wenn diese Sehnenplatte durch regelmäßige Fußmassagen elastisch gehalten wird. Wer sehr empfindlich ist, kann seine Füße auch erst einmal selbst mit einem Tennis- oder Igelball von den Zehen bis zu den Hacken abrollen. Oder so oft wie möglich barfuß oder auf Socken laufen.

Seit einiger Zeit tut mir meine Ferse richtig weh. Was hilft?

Schuld an den Beschwerden kann eine Reizung der Plantarfaszie (siehe oben) in der Fußsohle durch falsches Schuhwerk, Über- oder Fehlbelastung sein. Oft können Einlagen oder Dehnübungen die Beschwerden lindern. Bessern sie sich nicht, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Hilfreich können zum Beispiel Medikamente oder Ultraschall sein. Auch der „Beschuss“ der schmerzhaften Stelle mit stark gebündelten Druckwellen, die „extrakorporale Stoßwellentherapie“ (ESWT), kann helfen. Dabei wird das Bindegewebe zur Heilung angeregt. Weil das unter Umständen schmerzhaft ist, wird die Stelle bei den drei bis fünf Behandlungen meist örtlich betäubt.

KOMMENTARE