Wellness-Trend Sugar Detox: Wie sinnvoll ist ein Zuckerentzug?

Zu viel Zucker ist schlecht für die Gesundheit, das weiß jedes Kind. Doch ganz darauf verzichten? Immer mehr Menschen entscheiden sich für einen radikalen Zuckerentzug und erleben dabei Erstaunliches.

Wellness-Trend Sugar Detox: Wie sinnvoll ist ein Zuckerentzug?

Wellness-Trend Sugar Detox: Wie sinnvoll ist ein Zuckerentzug? / Bild: ©iStock/ChesiireCat

Was denken Sie, wie schwer würde Ihnen ein Zuckerentzug fallen? Wir erklären, wieso sich die Entgiftung lohnt.

Was steckt hinter dem Trend Sugar Detox?

Vor knapp fünf Jahren tauchten die ersten Selbstversuche in den Gesundheitsblogs auf, dann begannen Hollywood-Stars wie Gwyneth Paltrow auf den den absoluten Zuckerverzicht zu schwören. Ob mithilfe von Ratgebern, einer Online-Community oder professionell angeleitet im Wellnesshotel – „Sugar Detox“ ist gefragter denn je.
Der Gedanke dahinter: Fast alle Menschen der westlichen Welt sind ihr ganzen Leben lang Zucker-überdosiert. Denn statt der von der WHO empfohlenen 25 Gramm ist es das Vierfache, also 100 Gramm, die jeder Deutsche im Durchschnitt täglich zu sich nimmt. Erst durch das radikale Weglassen wird die tatsächliche Abhängigkeit spürbar. Ebenso wie die vielen negativen Auswirkungen auf Körper und Psyche, darunter Stimmungsschwankungen, innere Unruhe oder Akne. Wer den Entzug einmal geschafft hat, berichtet davon, sich wie „ein neuer Mensch“ zu fühlen. Die mittlerweile unzähligen im Internet kursierenden Infoseiten und Selbsterfahrungsartikel deuten darauf hin: da ist was dran.

Was ist beim totalen Zuckerentzug zu beachten?

Mindestens 21, besser 40 Tage sollte die Kur dauern. Die Regeln sind streng, denn es geht nicht nur um Süßigkeiten-Verzicht. Fertiggerichte, Weißmehlprodukte, Müsli, Säfte, Knabbergebäck, Dressings, Alkohol, Zuckerersatz-Stoffe, selbst frisches Obst sind tabu. Zucker-Detox bedeutet auch Zutatenlisten studieren und nahezu ausschließlich selbst kochen und nach vorgebenden Listen einkaufen. Das raubt Zeit und ist für Menschen, die sich zuvor nur wenig mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt haben, kaum zu bewältigen. Denn neben der Umstellung geht es vor allem ums Durchhalten.

Welche Symptome treten bei Zuckerentzug auf?

Fast alle beschriebenen Selbstversuche decken sich: In den ersten Tagen fühlen sich die meisten nervös, reizbar, niedergeschlagen und schlapp. Bei einigen treten Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit auf, die Haut neigt zu Pickeln. Sogenanntes „Craving“, also heftiges Verlangen nach Süßem stellt einen immer wieder auf die Probe, gleichzeitig spielt der Blutzuckerspiegel verrückt. Zuckerentzug ist alles andere als eine angenehme Erfahrung. Doch nach spätestens zehn Tagen ist das Schlimmste überstanden. Gegen Ende wird der Körper wieder schrittweise an Zucker gewöhnt, allerdings nur in seiner natürlich vorkommenden Form, wie beispielsweise in Milch und Früchten.

Was ändert sich nach einer erfolgreichen Zucker-Detox-Kur?

Auch hier ähneln sich die Erfahrungen: Verbesserte Konzentrationsfähigkeit, erholsamer Schlaf, reinere Haut, bessere Verdauung, mehr Energie, samt einigen Kilos weniger auf der Wage. Bluttests weisen bessere Werte auf, darunter einen niedrigeren Cholesterinspiegel. Vor allem ist der Geschmacksinn derart fein, dass künstliche, überzuckerte Produkte nur noch Ekel hervorrufen und der Körper von ganz alleine nach gesunden Lebensmitteln verlangt. Das macht die Rückkehr in alte Gewohnheiten nahezu unmöglich.

Was sagt die Wissenschaft?

Das Thema Zucker-Detox ist noch so neu, dass es dazu noch keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse gibt. Wie schädlich Zucker wirklich ist, dem ist die Forschung erst seit kurzem auf der Spur. Zumal eine vor zwei Jahren veröffentlichte Untersuchung der Universität California aufdeckte, dass die Gefahren übermäßigen Zuckerkonsums jahrzehntelang heruntergespielt wurden. Auch kommt die Krebsforschung gerade dahinter, wie Zucker das Wachstum bösartiger Zellen begünstigt. So wird an der Berliner Charité momentan Zuckerentgiftung als neuer Therapieansatz gegen Krebs erforscht.

Sicher ist: Zucker lässt nicht nur die Haut altern und fördert Diabetes, er löst auch suchtähnliche Prozesse aus, wie immer mehr Studien belegen. Dafür sorgt vor allem der Botenstoff Dopamin, welcher verknüpft mit Trosterfahrungen aus der Kindheit für einen wohligen Belohnungs-Kick im Gehirn sorgt. So plädieren Forscher der Universität Queensland, Zuckersucht als psychische Krankheit anzusehen. Dafür sprechen die oft als heftig beschriebenen Entzugssymptome. Die meisten Wissenschaftler halten jedoch wenig davon, Zucker mit Drogen gleichzusetzen, da er – zumindest in geringen Mengen – für den Stoffwechsel lebensnotwendig ist. Im Gegensatz zu anderen Suchtmitteln ist ein gesunder Umgang mit Zucker erlernbar.

Fazit:

Eine Zuckerentgiftung ist kein Spaziergang und erfordert viel Willenskraft, manchmal geht es nicht ohne Unterstützung. Dass der übermäßige Konsum mittlerweile ein nahezu weltweites Gesundheitsproblem darstellt – einige sprechen sogar von einer Zucker-Epedemie – deutet darauf hin, dass wir ein neues Bewusstsein für Zucker brauchen. Das macht diesen Detox-Trend vermutlich zu einer der sinnvollsten „Ernährungs-Hypes“ der letzten Jahre.

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